Endlich ist es so weit. Wir machen uns für die Übergabe unserer neuen Linssen Grand Sturdy 40.0 Sedan auf den Weg nach Maasbracht. Während der Produktion wurden wir regelmäßig per E-Mail und mit Fotos über die Fortschritte informiert. Wir können es kaum erwarten, unsere Linssen endlich in natura zu sehen.

Dank an:

Martin und Monica Bolsinger an Bord ihrer Grand Sturdy 40.0 Sedan

Martin und Monica Bolsinger an Bord ihrer Grand Sturdy 40.0 Sedan

Martin und Monica Bolsinger an Bord ihrer Grand Sturdy 40.0 Sedan
Martin und Monica Bolsinger an Bord ihrer Grand Sturdy 40.0 Sedan

Ein unbeschreibliches Gefühl, nun endlich an Bord unseres Schiffes zu dürfen

Donnerstag, 11. März 2021
Aufgrund der Coronapandemie und der geltenden Vorschriften, die von Land zu Land oft unterschiedlich sind, ist die Reise von der Schweiz nach Maasbracht nicht einfach.

Ungern fahren wir mit einem Dachkoffer, doch die Diskussion erübrigt sich: Wir haben so viel Material zu transportieren, dass wir selber kaum Platz im Auto finden.
Die nächste Frage stellt sich alsbald: Welchen Grenzübergang sollen wir wählen? Die vorgeschriebenen Pandemierestriktionen zu verstehen oder einzuhalten, gestaltet sich schwierig, denn sie sind je nach Land und Region unterschiedlich und ändern sich auch noch fast täglich. Schlussendlich entschließen wir uns, über die grüne Grenze durch Frankreich nach Deutschland einzureisen. Sowohl eingangs als auch ausgangs Leymen lauern tatsächlich französische Douane-Fahrzeuge. Kurz geht der Adrenalinspiegel hoch … Wir werden zum Glück nicht angehalten. In Frankreich darf man sich im Moment nur bis zu 30 km um den Wohnort bewegen. Die Durchfahrt über Weil ist 28 km. Der Grenzübergang nach Deutschland verläuft problemlos, wie auch die weitere Fahrt Richtung Niederlande. Das Wetter ist ziemlich stürmisch. Kurz vor der holländischen Grenze ist auf deutscher Seite ein Autobahnstück wegen Sturmböen gesperrt und hat einen riesigen Stau zur Folge. Aber auch diesen stehen wir aus und kommen gegen Abend in Thorn, Hotel Crasborn, ziemlich müde an. Wir sind die einzigen Gäste und werden eigens vom wartenden Koch bekocht. Aufgrund der Corona-Bestimmungen müssen wir das Nachtessen in einem hergerichteten Suitenzimmer einnehmen – alle Restaurants sind ja wegen Corona geschlossen. Nach einem kurzen Spaziergang durchs ausgestorbene Städtchen kehren wir ins Hotel zurück. Wir widerstehen der Versuchung, mal kurz in der Werft vorbei zu schauen. Sehr ungern zwar, denn die Vorfreude ist enorm. Glücklich, dass die Hinfahrt so problemlos verlief und ziemlich müde gehen wir schlafen – morgen ist ja der große Tag!

Übergabe der Sóleyja 12.3.2021, Freitag
Da wir früh auf sind und erst um 10 Uhr in der Linssen-Werft erwartet werden, machen wir einen längeren Spaziergang durch Thorn, die weiße Stadt, bis ans Wasser. Angeblich wurden die Häuser weiß getüncht, damit mehr Tageslicht in die dunklen Stuben reflektiert wird. Dies, nachdem die besetzenden Franzosen in der Zeit Napoleons eine Fenstersteuer erfunden hatten, um Geld eintreiben zu können. Flugs verkleinerten die Einwohner die Fenster und tünchten ihre Häuser weiß um weniger Steuern zahlen zu müssen …

Endlich ist es so weit. Pünktlich um 10 Uhr, so wie das Programm der Werft es vorgeplant hat, erscheinen wir an der Rezeption der Werft. Sofort werden wir auf das „Upper Deck“ geleitet, einer Terrasse in der Ausstellungshalle mit Sicht auf alle ausgestellten Boote. Hier hatten wir vor anderthalb Jahren den Vertrag mit feuchten Händen unterschrieben und uns unsicher gegenseitig angeschaut. Tun wir dies jetzt wirklich? Beim Familienrat nach der Rückreise nach Basel haben uns aber alle Kinder geholfen, das Projekt zu realisieren, auch wenn dies ein bisschen überraschend kam. In der Werft gibt es zunächst herzliche Geburtstagsglückwünsche und eine riesige Bienenstich- Kirschen-Torte für Monica! Alle kommen: Rennie Hénuy, Fred Spadlo, Yvonne Linssen, Angela van Roy und Paul Smits. Nach Kaffee und Kuchen dann endlich der große Moment: Wir können zum ersten Mal auf die Sóleyja. Ein unbeschreibliches Gefühl nun endlich an Bord unseres Schiffes zu dürfen, nach rund eineinhalb Jahren Wartezeit! 

Ein wohltuender Teakgeruch empfängt uns. Das Schiff ist wohlig warm geheizt und lädt zum Verweilen ein. Ein weiterer Blumenstrauß dekoriert das Innenleben. Nach kurzem und andächtigem Bestaunen folgt eine ausführliche Einweisung durch Paul, dem Ehemann von Yvonne. So viele technische und praktische Informationen – ich bin zeitweise ziemlich überfordert und hoffe, dass Martin es besser versteht und folgen kann. Er scheint, gut folgen zu können oder zumindest tut er so …

Gegen 14 Uhr gibt es einen Sandwich-Lunch und zum Nachtisch wieder Torte, danach geht die Instruktion weiter. Zur Krönung des Tages dann noch eine kleine Ausfahrt. Die Yacht lässt sich wunderbar steuern. Alles verläuft langsam und gemütlich, selbst das Anlegemanöver ist entspannt. Rennie hilft uns noch netterweise, unser gesamtes Material vom Auto ins Schiff zu transportieren. Alles ist noch neu. Es hat enorm viele Staumöglichkeiten, weshalb wir das Einräumen auf morgen vertagen. Langsam spüren wir, wie sich die angestaute Anspannung legt und einem Unglauben Platz macht, dass das Schiff nun Tatsache ist.
Nach diesem sehr ereignisvollen und recht intensiven Tag geht es wieder ins Hotel zurück, zu müde für ein vernünftiges Nachtessen.

Einräumen; 13.3.2021, Samstag
Am Samstagmorgen gehen wir einkaufen, denn wir wollen auf der Sóleyja frühstücken. Es ist schon ein merkwürdiges Gefühl, auf so einer perfekten Yacht einziehen zu können, ohne dass zuerst etwas geflickt oder korrigiert werden muss. Dann geht’s ans Einräumen, was mir große Freude bereitet. Wir diskutieren, wo wir was am besten unterbringen können. Immer wieder entdecken wir Schubladen und Schränke. Der Stauraum auf dem Schiff scheint endlos. Im Nu ist der gesamte Inhalt des Volvos, inklusive Dachkofferinhalt, verstaut. Nebenan machen andere Leute ein Schwesterschiff bereit für eine Ausfahrt. Eine junge Frau richtet ihr Haar, als sie ihr Spiegelbild in unseren leicht getönten Fenstern erblickt. Monica winkt ihr zu. Sie zupft weiter und sieht uns tatsächlich nicht, wie wir ihr zuschauen. Ein klares Zeichen, dass wir offensichtlich nicht leicht hinter den Scheiben zu sehen sind. Gut zu wissen! Gegen Abend fahren wir zum letzten Mal ins Hotel zurück und lassen uns ein Nachtessen zubereiten.

Wildpferde; 14.3.2021, Sonntag
Das bestellte Hotelfrühstück nehmen wir mit an Bord, denn wir können nicht warten: Heute machen wir die erste Ausfahrt, alleine! Aufregend!
So um 14 Uhr geht’s dann los. Wir verbringen etwa drei Stunden auf der Maas, fahren Richtung Thorn und wollen zur Marina Van der Laan Yachting, dem ersten Standplatz in den Niederlanden. Da wir nicht richtig aufpassen, erwischen wir eine Abzweigung zu früh und landen in einem kleinen Seitenbecken mit sehr wenig Tiefgang – der Tiefenalarm geht an. Noch einen Meter unter dem Kiel. Wir müssen vorwärts tiefer in das kleine Bassin einfahren, um umdrehen zu können. Um uns herum alte Schrottkähne aus rostigem Eisen und ein abgewrackter Hafenkran. Für Nervenkitzel ist gesorgt. Bereits die Einfahrt war eine Herausforderung: Die starke Strömung der Maas sorgte für einen ordentlichen Seitenversatz beim Abbiegen in den Seitenarm. Martin schafft es, langsam und vorsichtig wieder aus dem Bassin herauszukommen. Lesson learned: Törnplanung sollte immer stattfinden! Die erste Fahrt führt uns bis zum schiffbaren Ende der alten Maas und zurück, vorbei an Wiesen mit Wildgänsen, „Wildpferden“, die eigentlich Ponys sind, und Rindern. Sogar Rehe sehen wir kurz. Vor der Hafeneinfahrt übt Martin noch ein wenig, um sich mit der Steuerung besser vertraut zu machen. Das Anlegemanöver klappt beim zweiten Mal prima und wir sind glücklich, eine so schöne erste Fahrt erlebt zu haben.

Zum Nachtessen kocht Martin für uns ein feines Steinpilz-Risotto mit Trüffelkäse. Und nun freuen wir uns auf die erste Nacht an Bord! 

Wir fahren zurück, denn um 17 Uhr erwarten wir Rennie, Paul und Yvonne Linssen zur endgültigen Schiffsabnahme mit Apéro. Der dazu nötige, von Linssen offerierte, Champagner steht schon lange im Kühlschrank. Es ist ein sehr netter und ungezwungener Abend und wir haben den Eindruck, dass sich alle wohl fühlen. Nach dem Champagner wird das von uns mitgebrachte Bier („Chopfab“) getestet. Erst kurz vor der Sperrstunde (z. Z. 21 Uhr) brechen sie auf, sonst hätte es noch lange gehen können.
Gemütlich wäre das schon, aber wir sind immer noch überwältigt von den Ereignissen der letzten Tage und darum ordentlich müde. Wir hoffen auf ein anderes Mal.

Auf einmal steht Rennie auf der Matte und übergibt uns ein gerahmtes Bild von uns Dreien, aufgenommen am Tag der Übernahme. Er fragt uns, warum wir hier im Hafen rumhocken und nicht rausfahren. Das war das Stichwort! Kurz entschlossen lassen wir die Leinen los und fahren übungshalber etwas auf den Baggerseen herum. An einem Steg üben wir Anlegemanöver auf beiden Seiten. Es klappt immer besser und als die Dämmerung langsam einbricht, kehren wir zurück zum Werfthafen der Linssen. Das Anlegen klappt sehr gut und wir sind optimistisch, dass wir das Schiff schon schaukeln werden. Ich koche uns asiatisches Hühnchen mit grünem Gemüse.
Um frische Luft zu schnappen, fahren wir am nächsten Tag wieder auf die Plassen und ankern vor Thorn. Der See ist bis zu 30 m tief und wir suchen uns einen Hügel unter Wasser, der bis auf 8 m unter die Wasseroberfläche reicht. Vom Cockpit aus (wie chic!) lasse ich den Anker unter Monicas Aufsicht am Bug bei leichter Fahrt zurück herunterrasseln. Nach 25 m Kette zieht er schon an und … hält! Wir genießen die ersten Sonnenstrahlen vor Anker in der Plicht. Es ist so friedlich.

Skippertraining; 19.3.2021, Freitag
Um 10 Uhr steht Jan Linssen bereit, ein weiterer Angehöriger des Linssen-Clans. Wir fahren sofort los. Er ist etwas hibbelig und will mir ständig ins Steuer greifen. Bald aber merkt er, dass ich kein Anfänger bin. Zügig geht es auf die erste Schleuse (Sluis Linne) zu, die die alte Maas auf ein tieferes Niveau bringt. Ich melde unsere Sóleyja per Funk an. Nervenkitzel. Es ist eine riesige Schleuse für die Berufsschifffahrt. Wir bekommen Grün und können sofort einfahren. Wir belegen seitlich am Steuerstand. Eine Sirene heult los und die Tore schließen sich. In etwa fünf Minuten senkt sich das riesige Becken um etwa fünf Meter und die Taltore werden geöffnet. Die erste Schleuse ist geschafft. Nach einer weiteren Schleuse (diesmal dauert es etwas länger, bis wir einfahren können – evtl. habe ich am Funkgerät den Knopf nicht richtig gedrückt und die Schleusenzentrale hat mich nicht gehört. Jan versucht es auf seinem Funkgerät und dann klappt es) schwenken wir bei Roermond von der Maas in den Kanal Linne-Buggenum ein. Vor und hinter uns schwere Pötte, die mit Sand und Öl beladen sind. Wir können nur mit Mühe Schritt halten, so schnell sind sie. In der dritten Schleuse kurz vor Maasbracht wird es eng. Der Schleusenwart ordnet uns als „Nummer 3“ ein und so lassen wir den Sandlaster vorfahren.

Wir warten bis beide Schiffe fest gemacht sind und legen seitlich versetzt an. Ein freundliches Gespräch entsteht zwischen Jan und der Kapitänin des Sandlasters. Bei der Ausfahrt müssen wir auf die gewaltigen Wirbel der Lastkähne achten und fahren erst los, als sie sich im oberen Schleusentor befinden. Ich gebe ein bisschen zu viel Gas, ein Wirbel drückt das Heck gegen die Wand. Aber schon ist Jan korrigierend zur Stelle. Ich fühle mich wie ein Anfänger. Es gibt also doch noch was zu lernen. Trotz dem Patzer scheint Jan mit mir zufrieden und meint, ich sei die Ruhe selbst und das sei ja schon mal gut.

Der Russe; 20.3.2021, Samstag
Wir fahren wieder auf die „Grote Hegge“, dem See vor dem schönen weißen Thorn. An einer Anlegestelle vor dem Naturschutzreservat können wir seitlich und sicher fest machen. Ich baue uns ein paar Burger. Ein „Vespa“-Wein aus der Landi muss über Bord: Er hat kräftig Zapfen. Schade!

Nach dem Eindunkeln tuckert ein kleines Ruderboot vorbei. Nach einiger Zeit sehe ich, dass ein großer Typ darinsitzt und am Motor herumfummelt, im Dunkeln. Er hält sich am Steg fest und wirkt irgendwie unentschlossen. Ich ziehe mich an und gehe zu ihm, denn ich will wissen, ob ich ihm helfen kann. Er lallt mir gebrochen auf russisch-englisch: „Iem living hirrr. Nice ivening. Soo peessful. No problem. I am ok, thank you.” Etwas irritiert gehe ich zurück. Wir machen die Lichter aus und beobachten ihn.
Er fummelt weiter, raucht und fährt ein paar Mal im Kreis herum in unserer Nähe. Es wird uns ein wenig unheimlich. Er fährt mit dem Boot auf den Strand und irrt auf dem Uferbord herum. Immer wieder sehen wir seine Kopffunzel, dann ist es wieder dunkel, wir hören das Knacken der Äste und sonst nichts. Lange steht er einfach da. Echt komisch. Auf dem Damm verläuft genau die belgisch-niederländische Grenze. Ob es damit was zu tun hat? Ich beginne mir echt zu überlegen, ob wir zurückfahren sollen. Er fummelt am Handy herum und steigt plötzlich ins Boot, fährt wieder unentschlossen im Kreis herum und entfernt sich Richtung Ausgang des Sees. Noch lange sehe ich durch das Fernglas das Glimmen seiner Zigarette, immer kleiner werdend. Wir schließen unser Boot ab und fühlen uns darin, trotz dieses Spuks, relativ sicher. Eigentlich ist dies ja ein 15-Tonnen-Tresor aus 6 mm Stahl … So ganz entspannt schlafen wir trotzdem nicht …

Heimathafen für 2021; 21.3.2021, Sonntag
Wir verholen vom Natursteg zum Passantensteg von Thorn und entdecken dort das Ruderboot des Russen. Es sieht ziemlich ramponiert und unordentlich aus. Wir schließen unser Schiff gut ab und gehen in das Naturreservat wandern. Es ist eindrücklich zu sehen, wie sich die Natur die Baggerseen erfolgreich wieder zurückerobert. Wir sehen viele Bäume, die von Bibern angenagt wurden, doch können wir keine Biberburgen finden. Selbst sehr große Bäume werden in Richtung Wasser gefällt. Etwas weiter sehen wir die Wildpferde, die wir vom Schiff aus bereits gesehen hatten. Sie sind gar nicht so scheu und lassen sich vom friedlichen Grasen nicht abhalten. Ein Fohlen traut sich sogar ganz nahe zu mir und beschnuppert meine Kamera, nur um kurz darauf wilde Luftsprünge zu vollziehen. Wahrscheinlich ist es selbst über seinen Mut überrascht.

Tiefer im Gebiet sehen wir freilebende Galloway-Rinder, Gänse und finden Spuren von weiteren Tieren im Gebiet. Gut durchlüftet machen wir uns einen wärmenden Kaffee mit süßen Galettes und genießen die Aussicht durch die großen Fenster der Sóleyja. Gegen Abend fahren wir zum ersten Mal an unseren neuen Hafenplatz in der Marina Van der Laan Yachting, direkt neben dem hässlichsten Schiff im Hafen, dem „fetten Ferkel“. Darüber wird es wahrscheinlich noch zu berichten geben …

Garantieinspektion; 23.3.2021, Dienstag
Nachdem wir gestern einen faulen Tag mit kleinen Spaziergängen in Maasbracht verbracht haben, geht es heute in die geplante Garantieinspektion. Das Schiff hat keine wesentlichen Mängel, nur ganz kleine Schönheitsfehler. Außerdem lassen wir unsere LTE/WiFi-Antenne in der obersten Saling des Mastes und den Router im Elektronikkasten installieren, damit wir in Zukunft bessere Chancen auf Empfang haben. Wir haben uns auch noch dazu entschlossen, eine Deckwaschpumpe installieren zu lassen, damit wir den Anker gleich beim Einholen abspritzen können. Das hohe Freibord macht es schwierig, nur mit einem Wasserkübel zu arbeiten. Hier ist alles ein paar Dimensionen größer als auf der Luffe …

Offensichtlich gab es einen Eigner im Hafen, der ein Ferkel auf dem Schiff als Haustier hielt, erfahre ich beim ersten Hafentratsch durch einen alten Belgier mit rauchig-bieriger Stimme. Er ist gerade mal ein Jahr älter ist als ich. Schon lange sei das Ferkel gestorben und der Eigner zwei Wochen später auch. Der Russe sei wahrscheinlich ein Pole gewesen und der hätte wahrscheinlich illegal mit Netzen gefischt, meint er. Ich fand es trotzdem unheimlich.

Am späten Nachmittag verholen wir in die Werft­Marina, wo uns Paul um 17 Uhr trifft und mit uns geduldig durch die „Mängelliste“ geht. Ich nenne sie eine „To-do-Liste“, da es wirklich kleine, fast unwesentliche Mängel sind. Anschließend verlegen wir unseren Schlafplatz wieder in das Hotel Crasborn in Thorn, wo wir als wiederkehrende Kunden ein wunderschönes Suitenzimmer bekommen. 

Apéro wie in Estavayer; 27.3.2021, Samstag
Am Mittwochmorgen überführen wir das Auto auf den Parkplatz der Marina Van der Laan Yachting und packen zum ersten Mal unsere neuen E-Bikes aus. Zwar sind die Niederlande ziemlich flach, aber es ist immer windig. Gefühlt immer Gegenwind, zumindest scheint es so. Jedenfalls sind wir sehr froh, dass wir mit Elektrounterstützung entlang der alten Maas fahren können. Flugs haben wir 20 km hinter uns, ohne Mühe. So macht die Extrameile richtig Spaß.
Ich fahre zurück in die Werft, um mir den Stand der Arbeiten anzusehen. Der Installateur ist etwas grummelig, denn die Durchführung der Schläuche für die Deckwaschpumpe ist nicht einfach, da wir einen wunderschönen Bilgenboden einbauen ließen. Aber gegen Abend sind die meisten Arbeiten erledigt (Zentrieren des Suchscheinwerfers, Installation des WiFi/GSM-Routers und der Antenne, defekte LED unter der Treppe, instabile Bodenplatte in der Eignerkabine, kleine Farbkratzer etc.), nur die Deckwaschpumpe und der Motorencheck sind noch nicht fertig. Da die Sonne so schön scheint, nehmen wir Platz an einer Parkbank mit Tisch direkt über der Sóleyja und genießen den Moment. Paul kommt vorbei und wir besprechen kurz die Arbeiten. Dann meint er, es sei so schön, dass wir einen Apéro nehmen sollten, und verschwindet, um eine Weinflasche zu holen. Kurz darauf kommt Rennie und schwenkt zwei Flaschen und drei Gläser in der Luft. Paul hätte es Yvonne gesagt und Yvonne ihm. Minuten später sind wir alle am Tisch und genießen einen feinen Chardonnay und ein paar Chips aus dem Keller der Sóleyja. Die Sprüche fliegen als Fred Spadlo auch noch auftaucht und sein Gerümpel von zu Hause im Container der Werft verschwinden lässt. Ein richtig schöner Abend, wie in Estavayer. Als es dann definitiv zu kühl wird, verabschieden sich alle, Yvonne und Paul gehen nochmals zurück ins Büro. Alle arbeiten hart, nehmen sich aber auch Zeit für einen Apéro. Das scheint stimmig.
Wir können zwar auf dem Schiff übernachten, müssen morgens aber früh auf. Wir vertreiben uns die Zeit mit etwas Sightseeing im Hinterland von Maasbracht und finden ein eindrücklich restauriertes Fort der Spanier in Stevensweert. Mittags zurück sind die Arbeiten fertig und wir verlegen uns wieder in die Marina Van der Laan Yachting.

Am Freitag gehen wir endlich unseren Kompakt-Staubsauger in Venlo abholen, nachdem diverse Anläufe misslungen waren (Lieferschwierigkeiten in der Schweiz, gelieferte Ware wurde von Van der Laan Yachting retourniert). Venlo hat ein sehr hübsches Stadthaus. Doch auch hier fehlt das Leben in den Läden und Restaurants, trotz des kalten aber schönen Wetters.

Wir genießen trotz des stürmischen Windes die Abende in der geschützten Plicht am großen Tisch. Ein völlig neues Gefühl.

Geburtstag aus der Ferne; 29.3.2021, Montag
Es wird Frühling! Heute soll es erstmals über 15 °C werden. Nach einer gründlichen Innenreinigung des Boots sind wir den Staub für kurze Zeit wieder mal los. Unglaublich, wieviel Staub zwei Personen aufwirbeln können! Wir machen ein perfektes Ablegemanöver und verlegen wieder nach Thorn an den Steg des Städtchens. Es ist spürbar, dass es auf Ostern zugeht, denn es sind plötzlich mehrere Motoryachten unterwegs. Sogar ein paar Kiter und einen einsamen Surfer sehen wir auf der „Grote Hegge“, dem See vor Thorn. Wir genießen wieder eine kleine Wanderung durch das Naturschutzgebiet und sonnen uns später unter dem geöffneten Cabriodach unseres Schiffes, in Windstille. Gegen Abend können wir Gregory kurz per FaceTime zu seinem Geburtstag beglückwünschen. Er wurde von seinen Geschwistern zu einem Geburtstagsessen eingeladen. So schön! Wir kochen uns ein Boeuf Stroganoff mit Kartoffelstock und genießen den Sonnenuntergang.

Veloausflug; 30.3.2021, Dienstag
Wieder ein wunderschöner Tag und wir beschließen eine Velotour zu unternehmen. Der Maas entlang fahren wir bis nach Maaseik in Belgien, alles auf Fahrradwegen – super!
Nach anfänglichem Unbehagen, in Belgien zu sein, können wir das vergessen und die Fahrt richtig genießen. In Maaseik, wo wir im Oktober 2019 übernachtet haben, essen wir ein frisch gemachtes Sandwich und machen uns danach wieder auf die Heimfahrt. Die Velos sind perfekt für unsere Ansprüche und wir sind sehr zufrieden mit unseren Gefährten.

Zurück auf dem Boot hat Martin eine Telefonkonferenz und kann sich vom Boot aus einloggen. Später füllt er den Wassertank auf. Der Stegnachbar macht sich klopfend am Fenster bemerkbar und weist uns darauf hin, dass wir Maaswasser tanken. Es sei der blaue Schlauch, nicht der gelbe. Mist. Wir müssen den Tank sofort leeren, wieder füllen und mit Natriumhypochlorit sterilisieren. Martin hatte den Aufkleber übersehen und ärgert sich, schmutziges Maaswasser in den neuen Trinkwassertank gefüllt zu haben.

Erster Service; 1.4.2021, Donnerstag
Am Mittwoch verlegen wir zur Linssen-Werft nach Maasbracht. Morgen soll das Getriebeöl gewechselt werden.

Die bestellten Comfort-Seats sind bereits angekommen und wir holen sie beim Marine-Shop Schuller ab – gerade richtig für die bevorstehende Ostertour, so denken wir. Ein Volvo-Servicemann kommt etwas später an Bord und macht den Ölservice mit viel Augenrollen. „Alle wollen noch etwas kurz vor Ostern“, meint er. Martin serviert ihm einen Kaffee und schon ist alles gut. Tatsächlich wird er sich etwas später an Martins Namen erinnern, als wir ihn in Wessem kurz vor der Ostertour wiedersehen. Das kann nie schaden.