Mit einer Linssen 1600 km auf dem Atlantic Intracoastal Waterway

Das Abenteuer nahm seinen Anfang, als ich dem Käufer einer nagelneuen Grand Sturdy 470 versicherte, er solle sich an mich wenden, falls er "Hilfe beim Überführen seines Traumschiffes" brauche. Dabei rechnete ich eigentlich nicht damit, dass er - zwei Monate später - auf mein Angebot zurück kommen würde. Und womit ich erst recht nicht gerechnet hatte, war ein Überführungstörn von über 1600 km und 10 Tagen!

Linssen yachts on the Atlantic Intracoastal Waterway

Text und Fotos Jim Deibel

Der Intracoastal Waterway ist eine 4.877 km lange, teils natürliche, teils angelegte Wasserstraße, die Berufs- und Freizeitschiffen die geschützte Durchfahrt parallel zur Atlantikküste von Boston, Massachusetts, bis Key West in Florida ermöglicht. Im Norden wie im Süden ist dies die bei Wassersportlern beliebteste Strecke im Land. Sie führt entlang wundervollen Marschlandschaften, historischen Städten und Orten und einsamen Gegenden mit seltener Flora und Fauna. Der Waterway ist gebührenfrei und wird vom Army Corps of Engineers instand gehalten. Die offizielle Mindest­fahr­wassertiefe beträgt vier Meter, in einigen Bereichen ist das Wasser jedoch nur za. zwei m tief: kein Pro­blem für die robusten Stahl­yachten von Linssen mit ihrem geringen Tief­gang und dem von einer Hacke ge­­schützten Ruder und Propeller. Aufgrund der häufigen Untiefen rechneten wir zeitweise auch mit Wassertiefen von nur einem Meter, was unsere gesamte Crew dazu brachte, das Echolot nicht mehr aus den Augen zu lassen.

Unser Törn begann in Ft. Lauderdale, Florida. An Bord waren der Eigner, Richard Malone, Crewmitglied Len Smale und ich. Unter einem wunderbar blauen Floridahimmel machten wir uns auf den Weg Richtung Norden, Zielhafen: Newport, Rhode Island. Vor uns lagen 11 Staaten, die wir in ebenso vielen Tagen durchqueren sollten. Dabei blieben wir nicht nur auf dem Binnengewässer des Intracoastal Waterway, sondern wagten uns auch die Atlantikküste entlang, über die Chesapeake und die Delaware Bay, durch den New York Harbor und den Long Island Sound.

Während der ersten Tage fuhren wir ausschließlich bei Tages­licht, da von Nachtfahrten auf dem Intracoastal Water­way allgemein abgeraten wird. Es gibt zahlreiche Marinas und Ankerplätze. Dasselbe gilt für die vielen Brücken, die den Waterway immer wieder kreuzen. Zum Glück mussten wir dank der niedrigen Durchfahrhöhe der Grand Sturdy nur selten auf Brückenöffnungen warten. Häufig wurden wir von größeren und schnelleren Booten überholt, die dann an der nächsten Brücke warten mussten, wo wir ohne Aufenthalt weiter fahren konnten.

Gegen Ende unserer Fahrt erreichten wir die offenen Gewässer der Chesapeake und der Delaware Bay und später die Atlantikküste vor New Jersey. Hier begannen wir mit Wachen von jeweils 4 Stunden mit 8 Stun­den Ruhepause, ob­wohl niemand von uns schlief, als wir in den New York Harbor einfuhren. Die auf­re­gen­de Fahrt ging vorbei an New York und anschließend den East River hinauf in den Long Island Sound zu unserem Ziel­­hafen in Newport, Rhode Island.

Als ich zwischen Mitternacht und 4 Uhr Wache hatte, befand sich die „Linssen Lady" 10 Meilen vor der Küste von New Jersey und die 6 bis 8 Fuß hohen Wellen rollten von Steuerbord achtern gegen das Schiff. Es zog ein Sturm auf, aber das gleichmäßige Schnurren der Volvo-Motoren und das beruhigende Gefühl, dass ein robuster Stahlrumpf das Schiff und uns alle schützte, sorgten dafür, dass ich mich absolut sicher fühlte.

Genau für solche Fahrten sind Linssen-Yachten wie ge­schaf­fen. Egal, ob Wasser­straßen mit geringer Wassertiefe wie der Intra­coastal Water­way oder die offene See im At­lan­tik: Eig­ner und Gäste glei­cher­maßen haben im­mer das gute Ge­fühl, auf einem sicheren, see­taug­lichen und ruhigen Schiff unterwegs zu sein.


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